Abruf
Warum ist dieses Thema spannend?
Gedächtnisabruf ist rekonstruktiv. Während wir in manchen Situationen zum Beispiel spezifische Aspekte von Erinnerungen abrufen können, rekonstruieren wir andere Aspekte. Dies kann zu falschen Erinnerungen führen, wie die im Video erwähnten Studien zeigen.
Lernziele
- Sie wissen, was Abruf ist und kennen die verschiedenen Arten des Gedächtnisabrufs.
- Sie kennen die verschiedenen Faktoren, die den Abrufprozess determinieren.
- Sie kennen die Rolle von inzidentellem Kontext beim episodischen Gedächtnisabruf.
- Sie wissen, wie Wiedererkennen mittels Signaldetektionstheorie konzeptualisiert werden kann und verstehen diese.
Ressourcen
Buchkapitel
- Anderson, M. C. (2025). Retrieval. In A. Baddeley, M. W. Eysenck, & M. C. Anderson. Memory (4th ed.; pp 299-342). Routledge.
Präsentation
Podcast
Podcasts unter dieser Rubrik sollen einen einfachen Einstieg ins Thema vermitteln. Sie wurden mit künstlicher Intelligenz generiert. Sollten spezifische Inhalte dem Lehrbuch widersprechen, sind die Inhalte aus dem Lehrbuch als korrekt zu betrachten.
Urheberrechtlich geschützte Materialien
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- Abruf
- Gesichtserkennung (optional)
Essayfrage
- Was ist Kontext? Welche verschiedenen Arten von Kontext gibt es? Wann spielt Kontext beim Gedächtnisabruf eine Rolle und wann nicht? [Musterlösung]
Erkenntnisgewinn
- Abruf kann als Effort konzeptualisiert werden, eine Gedächtnisspur aufgrund verschiedener Hinweisreize durch Aktivierungsausbreitung zu aktivieren. Verschiedene Arten des Gedächtnisabrufs sind: Freier Abruf (free recall), Abruf aufgrund eines Hinweisreizes (cued recall), Wiedererkennen (recognition), lexikale Entscheidung, Wortfragment / -stamm-Ergänzung, konzeptuelle Geläufigkeit (conceptual fluency) und Wiederholungsbahnung (repetition priming).
- Zu den Faktoren, die den Abrufprozess determinieren, gehören: Aufmerksamkeit (Abruf ist erfolgreicher, wenn die Aufmerksamkeit auf die Abrufhinweise gerichtet ist), Relevanz der Abrufhinweise (Abruf ist erfolgreicher, wenn Abrufhinweise für den Zielreiz von Bedeutung sind), Abrufhinweis-Zielreiz Assoziationsstärke (Abruf ist erfolgreicher, je stärker Abrufhinweise mit Zielreizen assoziiert sind), Anzahl Hinweisreize (Abruf ist erfolgreicher, je mehr relevante Abrufhinweise vorhanden sind), Stärke des Zielreizes (Abruf ist erfolgreicher, je besser der Zielreiz kodiert / gelernt wurde), Abrufstrategie (es gibt verschiedene Strategien, die den Abruf nachhaltig positiv beeinflussen, vgl. auch Kapitel «Gedächtnisleistungen optimieren») und Abrufmodes (Abruf ist erfolgreicher, wenn sich die abrufende Person in einem Abrufmodus befindet).
- Je ähnlicher der Kontext während dem Kodieren und Abrufen, desto besser ist die Gedächtnisleistung beim Abruf (vgl. Transfergerechte-Prozesstheorie / «transfer appropriate processing»). Dabei gibt es verschiedene Arten von Kontext, die eine Rolle spielen: Umweltkontextabhängiges Gedächtnis, zustandabhägiges Gedächtnis, stimmungskongruentes / stimmungsabhängiges Gedächtnis und kogitiverkontextabhängiges Gedächtnis.
- Wiedererkennen kann als Signaldetektion konzeptualisiert werden. Dabei müssen alte (zuvor gelernte) von neuen (zuvor nicht präsentierten) Reizen unterschieden werden. Entsprechend der Signaldetektionstheorie sind alte Reize grundsätzlich mit einer höheren Signalstärke assoziert als neue Reize. Gleichzeitig sind jedoch beide Arten von Reizen auch mit einem gewissen Rauschen assoziiert (z.B. im Alltag häufig vorkommende Reize, kommen einem bekannter vor als weniger häufig vorkommende Reize). Das Rauschen überlagert und verringert somit das vorhandene Singal. Aufgrund des letztendlich vorhandenen Singals entscheidet nun eine Person, ob sie einen Reiz bereits gesehen hat (alt) oder ob es sich um einen neuen Reiz handelt. Dabei kann die Person ein liberaleres oder konservativeres Entscheidungskriterium verwenden. Im liberalsten Fall würde eine Person z.B. bei jedem Reiz sagen, dass er alt ist. So hätte die Person eine 100%-ige Trefferrate, was die alten Reize betrifft und eine 100%-ige Fehlalarmrate, was die neune Reize betrifft. Somit wäre hätte die Person keine Wiedererkennungsleistung. Positive Wiedererkennungsleistungen treten dann auf, wenn die Trefferrate höher ist als die Fehlalarmrate.