Wie verläuft eine Alzheimer-Erkrankung? Wie unterscheidet sie sich von anderen Formen der Demenz-Erkrankung?

Kapitel 16
Alzheimer
Demenz

Antwort

Wie verläuft eine Alzheimer-Erkrankung?

Die Alzheimer-Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung. Das heisst, dass am Anfang der Erkrankung ein Abbau selektiver Gedächtnisfunktionen, Aufmerksamkeitsprobleme und Persönlichkeitsveränderungen zu beobachten sind. Im weiteren Verlauf sind auch emotionale Aspekte betroffen, die mit Verwirrtheit, Reizbarkeit, Angst und des weiteren mit sprachlichen Defiziten einhergeht. In einem fortgeschrittenen Stadium können einfachste automatische Kontrollmechanismen wie Schlucken und das Entleeren der Blase nicht mehr gesteuert werden (Pinel et al., 2019, S.324)

In Hinblick auf die Gedächtnisverluste beschreibt Baddeley et al. (2020, S.508-511), dass vor allem das episodische Gedächtnis sowohl beim Abruf als auch beim Wiedererkennen von Informationen beeinträchtig ist und im weiteren Verlauf diese Schwierigkeiten auch den recency Effekt beeinflussen. Beim recency Effekt werden Inhalte, die am Ende einer Aufreihung gelernt werden, besser erinnert und entsprechend einfacher abgerufen. Auch nimmt das semantische Gedächtnis kontinuierlich ab. Das implizite Gedächtnis scheint nicht in Gänze gestört zu sein, da auch Menschen mit Alzheimer durch Übung lernen können und auch der priming Effekt erhalten bleibt. Dieser beeinflusst die Verarbeitung von Elementen, je nachdem, was im Vorfeld präsentiert wurde. Dies allerdings nur bei einfachen im Gegensatz zu komplexen Aufgaben. Das Arbeitsgedächtnis ist weniger beeinträchtigt als das episodische Gedächtnis.

Der Grund für den fortschreitenden Verlust an Gedächtnisfunktionen kann im Gehirn lokalisiert werden. So beginnt sich die Krankheit zuerst im Frontallappen und Hippocampus auszubreiten, was die exekutive Kontrolle (das Steuern und Überwachsen von Denk- und Aufmerksamkeitsprozessen) sowie das Bilden und Konsolidieren von Erinnerungen betrifft und breitet sich dann weiter auf andere Hirnbereiche wie den Temporallappen und den Parietallappen aus (Baddeley et al., 2020, S.508)

Wie unterscheidet sie sich von anderen Formen der Demenz-Erkrankung?

Baddeley et all. (2020) beschreibt weitere Formen der Demenz. Diese werden in der Folge kurz skizziert:

Vaskuläre Demenz

Bei der Vaskulären Demenz bewirkt ein Mangel an Sauerstoff im Gehirn das Absterben von Zellen und kann in Folge zu einem Schlaganfall führen.

Lewy-Körper-Demenz

Bei dieser Form der Demenz kommt es eher zu visuellen Symptomen und Orientierungsschwierigkeiten, äussert sich aber auch ähnlich der Parkinson-Demenz mit Problemen im Bewegungsverhalten.

Frontotemporale Demenz

Durch eine Verringerung von Neuronen im Frontal- und Temporallappen zeigen sich Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen. Auch die Sprache kann beeinträchtigt sein.

Semantische Demenz

Diese Demenz ist charakterisiert dadurch, dass semantische Bedeutungen von Wort und Bild gestört sind, aufgrund einer Atrophie im Temporallappen.

Die Demenzen unterscheiden sich also in ihrer Art und Weise, welche Gehirnareale betroffen sind und aus welchem Grund dies geschieht. Bei der Alzheimer-Erkrankung sind die Ursachen noch umstritten. Ging man dereinst davon aus, dass Amyloidplaques und Neurofibrillenbündel Ursachen der Erkrankung sind, zeigt sich, dass auch gesunde Menschen von diesen neuronalen Ablagerungen betroffen sind bzw. dass es auch Menschen ohne diese Ablagerungen gibt, die an Alzheimer erkranken (Baddeley et al., 2020, S.507). Pinel et al. (2019, S.325-236) beschreibt weitere Forschungsansätze, die sich mit genetischen Ursachen für die Alzheimer-Erkrankung beschäftigen, vor allem auch in Bezug auf die früh beginnende Form von Alzheimer. Hier konnten verschiedene Gene identifiziert werden. Diese erklären aber nicht alleine das Ausbrechen der Erkrankung. Des weiteren konnte auf dem Gen 19 eine Protein  (ApoE) ausgemacht werden, das die Anfälligkeit einer Erkrankung um 50% erhöht. Dieses Protein verschlechtert den Abtransport von Beta-Amyloid. Verglichen mit den Gedächtnisproblemen bei Menschen mit Down Syndrom wurde  erkannt, dass das Chromosom 21 für die Kodierung von Beta-Amyloid verantwortlich ist und viele Neuronen bei Alzheimer-Patienten ein zusätzliches Chromosom 21 enthalten. Aufbauend auf die Amyloidhypothese wird derzeit diskutiert, dass eine fehlerhafte Faltung des Proteins Ursache einer Alzheimer-Erkrankung sein könnte. Dies wird derzeit als ‹patogenetic spread› Hypothese erforscht.

Literaturverzeichnis

Baddeley, A. D., Eysenck, M. W., & Anderson, M. C. (2020). Memory (Third edition). Routledge, Taylor & Francis Group.

Pinel, J. P. J., Barnes, S. J., & Pauli, P. (2019). Biopsychologie (10., aktualisierte und erweiterte Auflage). Pearson.

Bewertung

Bewertung durch das Modulteam

Die Frage wurde sehr gut beantwortet und die Begrifflichkeiten gut eingeführt. Hinsichtlich der Unterscheidung zwischen Alzheimer und anderen Demenz-Erkrankungen sollte allerdings die Differenzierung noch stärker ausgearbeitet und expliziter geannant werden.

Achten Sie darauf, die einzelnen Teilaspekte akkurat zu beschreiben. Eine vaskuläre Demenz kann durch einen Schlaganfall ausgelöst werden. Das absterben von Zellen führt jedoch nicht zu einem Schlaganfall.

Beachten Sie zudem, dasss auch der Titel des Lehrbuchs Biopsychologie im Literaturverzeichnis kursiv gesetzt werden sollte.

Note: 5.5